Kann man eine wichtige Person vergessen?

Einsam traurig depressionMarcos Mesa Sam Wordley/Shutterstock

Wenn wir neue Dinge lernen oder uns an Ereignisse erinnern möchten, erfordert das häufig eine große Aufmerksamkeit und mentale Anstrengungen. Dagegen lenken wir uns lieber von schmerzhaften Momenten und Geschehnissen ab. Eine neue Studie von Forschern der Universität von Texas in Austin zeigt jedoch, dass wir durch Konzentration und Anstrengungen negative Erinnerungen absichtlich vergessen können.

Das Steuern von Gedanken und Aufmerksamkeit

Um diesen Vorgang zu verstehen, muss man beachten, dass Erinnerungen nicht statisch sind. Wie die Wissenschaftler erklären, handelt es sich dabei um einen dynamischen Aufbau des Gehirns, der regelmäßig durch Erfahrungen aktualisiert und angepasst wird. Dabei speichern und vergessen wir automatisch Informationen während wir schlafen.

Um den Vorgang des Vergessens zu beschleunigen, haben vorherige Forschungen dazu geraten, die Aufmerksamkeit auf die schädlichen Informationen zu reduzieren. Beispielsweise indem man sich von negativen Erfahrungen ablenkt oder versucht, die Erinnerungen bewusst zu unterdrücken.

Das überraschende Ergebnis der Wissenschaftler der Universität von Texas zeigt nun, dass wir das Vergessen jedoch bewusst steuern können, indem wir die Aufmerksamkeit auf die unerwünschten Erinnerungen lenken. 

„Wir können Erinnerungen, die schädliche Reaktionen auslösen, wie zum Beispiel traumatische Erfahrungen, löschen, damit wir in Zukunft auf angemessene Weise reagieren können“, betont Jarrod Lewis-Peacock, einer der Studienautoren und Assistenz Professor der Psychologie an der UT Austin.  

Die Fähigkeit, etwas bewusst zu vergessen

Für ihre Studie, die in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift „Journal of Neuroscience“ veröffentlicht wurde, nutzen die Wissenschaftler das sogenannte Neuroimaging — eine Methode, um Muster der Gehirnaktivität zu verfolgen. Die Forscher zeigten einer Gruppe von 24 jungen und gesunden Erwachsenen Bilder von Szenen und Gesichtern und wiesen sie an, sich entweder an jedes Bild zu erinnern oder es zu vergessen.

„Jahrzehntelange Forschung hat gezeigt, dass wir die Fähigkeit haben, freiwillig etwas zu vergessen, aber wie genau unser Gehirn das macht, wird immer noch erforscht. Sobald wir herausgefunden haben, wie Erinnerungen geschwächt werden und Wege finden, dies zu kontrollieren, können wir eine Behandlung entwickeln, die Menschen dabei hilft, sich von unerwünschten Erinnerungen zu befreien.“, erklärt Lewis-Peacock weiter.

In der Vergangenheit gingen Wissenschaftler davon aus, dass diese Prozesse des absichtlichen Vergessens in den Kontrollstrukturen des Gehirns, wie dem präfrontalen Kortex, und Langzeitgedächtnisstrukturen, wie dem Hippocampus, stattfinden. Das Forscherteam aus Austin legte seinen Fokus jedoch auf die sensorischen und wahrnehmungsbezogenen Bereiche des Gehirns. Vor allem der ventrale temporale Kortex und die dortigen Aktivitätsmuster, die komplexe visuelle Reize verarbeiten, hat die Wissenschaftler interessiert.

Vergessen ist schwieriger als Erinnern

Wie die Ergebnisse zeigen, haben sich die Forscher anscheinend auf den richtigen Teil des Gehirns konzentriert. Ihre Daten konnten nicht nur zeigen, dass wir die Fähigkeit haben, den Prozess des Vergessens bewusst zu steuern, sondern auch, dass ein absichtliches Vergessen eine größere Gehirnaktivität in diesen sensorischen und wahrnehmungsbezogenen Bereichen erfordert, als sich an Dinge zu erinnern. 

„Eine moderate Gehirnaktivität ist entscheidend für diesen Vergessungsmechanismus. Zu stark und es wird die Erinnerung stärken; zu schwach und man wird nicht vergessen“, erklärt Tracy Wang, Hauptautorin der Studie und Doktorandin für Psychologie an der UT Austin. „Wichtig ist, dass die Absicht zu vergessen die Aktivierung des Gedächtnisses erhöht, und wenn diese Aktivierung den optimalen Punkt erreicht, dann führt sie dazu, dass Erfahrungen später vergessen werden.“

Die Resultate der Studie machen außerdem deutlich, dass Bilder von Szenen einfacher zu vergessen sind als Aufnahmen von Gesichtern. Laut der Forscher liegt das an den viel emotionaleren Informationen, welche in Bildern von Personen vorhanden sind.

Trennung von schmerzhaften Erfahrungen und Gefühlen

Besonders wichtig sind diese Ergebnisse für die Neurowissenschaftler, weil sie es Menschen ermöglicht, sich von schmerzhaften Erfahrungen und Gefühlen trennen zu können. Jedoch werden noch weitere wissenschaftliche Arbeiten benötigt, um die gewonnen Informationen aus dem Laborexperiment auf das alltägliche Leben anzuwenden.

„Wir haben gelernt, wie diese Mechanismen in unserem Gehirn auf verschiedene Arten von Informationen reagieren und es wird viele weitere Forschungen und Replikationen dieser Arbeit erfordern, bevor wir verstehen, wie wir unsere Fähigkeit zum Vergessen nutzen können“, sagt Lewis-Peacock.

Dieser Artikel erschien bei Business Insider bereits im Oktober 2019. Er wurde nun erneut geprüft und aktualisiert.

Kann man jemanden einfach vergessen?

Wenn du merkst, dass er in deinen Gedanken ist, lenke dich ab, spreche mit jemandem darüber, gehe joggen oder fange ein neues Buch an. Deine Gedanken gehören dir, nicht ihm. Jedes Mal, wenn du an ihn denkst, kannst du zudem die „gute“ Erinnerung mit einer schlechten zunichte machen.

Warum kann man bestimmte Menschen nicht vergessen?

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Wenn du keine Gefühle mehr für ihn hast und ihn deshalb verlassen möchtest, verzeihe dir, dass du einen Menschen loslässt, den du liebst. Lieben heißt manchmal auch loslassen, um den Partner und auch dich für einen Neustart freizugeben. Verzeihe dir selbst und nimm die Herausforderung an, die dir das Leben bietet.

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Im Schnitt dauert es gut ein Jahr, bis Singles über das Liebes-Aus hinweg sind - das zeigt die bevölkerungsrepräsentative ElitePartner-Studie 2021. Dafür wurden Singles, die schon mindestens eine Beziehung hatten, gefragt, wie ihre letzte Liebe auseinanderging - und ob bzw.

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